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Raus mit der Gemeinen Rispe

Die Gemeine Rispe blendet im ersten Schnitt und versagt ab dem zweiten. Leider breitet sie sich schnell aus und ist umso schwerer wieder loszuwerden. Doch der Aufwand lohnt sich. Vor allem für jene, die die richtige Lehre daraus ziehen.

Die Gemeine Rispe (Futterwertzahl 4) bringt zum 1. Schnitt noch einen ordentlichen Ertrag, danach aber geht sie in die Versenkung. Sie freut sich zwar über eine Düngung, honoriert die Nährstoffe dem Landwirt aber nicht. Viele Landwirte wissen gar nicht, was ihr Grünland zu liefern imstande wäre, da im Dauergrünland keine Ertragsermittlung stattfindet. Versuche der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigen deutliche Leistungsunterschiede zwischen Deutschem Weidelgras und der Gemeinen Rispe in der Reinsaat.

Ab wann kommt eine Sanierung infrage?

Ein genaueres Hinschauen auf das Grünland lohnt sich daher. Handelt es sich „nur“ um die Gemeine Rispe, haben wir verschiedene Möglichkeiten diese zurückzudrängen. 

  • Die mechanische Maßnahme „Striegeleinsatz“ funktioniert sehr gut, wenn dabei wichtige Punkte berücksichtigt werden. 
  • Eine „selektive“ Pflanzenschutzmaßnahme (Glyphosat 0,75 l/ha) oder   
  • eine „Totalsanierung“ (mit der für das Grünland zulässigen Höchstaufwandmenge eines Glyphosatproduktes) kommen auch infrage.
  • Bei extremen Beständen, mit zusätzlich hohen Kräuteranteilen und/ oder Mäusebefall, kann das „Rotationsprinzip“ eine Lösung sein. Dabei ist im Vorfeld zu prüfen, ob der Standort ackerfähig ist.
  • Bei Mischverunkrautung und Anteile an der Gemeinen Rispe ist die Kurzrasenweide bzw. Standweide eine erprobte Methode, den Bestand zu sanieren (siehe auch www.lfl.bayern.de/it/gruenlandnutzung).

Eine pauschale Strategie gibt es nicht, da jede Fläche einzeln bewertet werden muss. Der Zeitpunkt der Maßnahme sollte so gewählt werden, dass im Anschluss erfahrungsgemäß die Wasserversorgung am Standort gewährleistet ist. Laut Beobachtungen wird eine Sanierungsmaßnahme für Nordbayern ab dem 3./4. Schnitt empfohlen. In Südbayern ist eine Maßnahme nach dem 1. Schnitt und nach dem 4. Schnitt (ca. Mitte/Ende August) erfolgsversprechend.


Nicht am falschen Ende sparen: Die Maschine war gleich (2-reihiger Striegel, 8er Zinken, jeweils Mitte August 2015), den Unterschied macht die Anzahl der Überfahrten – im Bild links dreimal, dort bleibt viel Gemeine Rispe, im mittleren Bild wurde sechsmal gestriegelt und die ausgerupfte Rispe entfernt. Das rechte Bild belegt den Erfolg, es stammt von der sechsmal bearbeiteten Fläche (Oktober 2015).


1 Mit dem Striegel: Alle bekannten Grünlandstriegel leisten bei der Entfernung der Gemeinen Rispe eine sehr gute Arbeit – unabhängig davon, ob 2-reihig, 5-reihig, 6-reihig, mit 8er, 10er oder 12er Zinken. Da es sich um eine Sanierung einer Grünlandfläche handelt, müssen die Striegel „scharf“ eingestellt werden. In den meisten Fällen scheut man sich, dem Grünland derart rabiat zu Leibe zu rücken. Das muss aber sein.

Die Flächen sehen hinterher schwarz aus, und einige Landwirte reiben sich verwundert die Augen, wenn der Berater sich darüber auch noch freut. Sie müssen aber bedenken, dass die Maßnahme Geld kostet (ca. 400 €/ha) und es daher nicht genügt, wenn das Grünland „schonend“ bearbeitet wird und als Ergebnis die Hälfte der Gemeinen Rispe bleibt. Damit die Gemeine Rispe gut rausgestriegelt werden kann, muss der „Horizont“, wo die Zinken laufen, trocken sein. Am Tag der Maßnahme empfiehlt es sich, mit dem Finger über den Boden zu gleiten. Wenn es schmiert, sollte abgewartet werden. Gleichzeitig erfolgt mit Daumen und Zeigefinger an der Gemeinen Rispe die „Zupfprobe“: Wenn sie sich samt Wurzeln gut entfernen lässt, ist der richtige Zeitpunkt erreicht. Die Striegelzinken arbeiten dann effektiv, wenn sie während der Fahrt vibrieren, also eine fast kreisförmige Bewegung vollziehen. Es wird „kreuz und quer“ gefahren. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt zwischen ca. 7 km/h und 13 km/h. Die Anzahl der Überfahrten, zwischen vier und sechs, richtet sich nach dem Anteil der Gemeinen Rispe auf der Fläche, der eingesetzten Striegeltechnik und dem Boden (leicht/schwer). Über die Anzahl der notwendigen Überfahrten wird erst während der Arbeit entschieden.  Bei hohem Anteil an Gemeiner Rispe ist ein Zwischenschwaden mit Abräumen notwendig. Spätestens wenn die Zinken beginnen, auf dem ausgestriegelten Gut zu schwimmen, muss geschwadet und abgeräumt werden. Ab diesem Zeitpunkt verrichten die Zinken ihre Arbeit nicht mehr, da sie den Boden nicht mehr berühren. Der Schwader muss tief gestellt werden und der Fahrer sollte wesentlich langsamer als sonst über das Feld fahren, da auch sehr viel Boden bewegt wird. Nach dem Aufladen mit dem Ladewagen sollte die Fläche überprüft werden, ob der Schwad komplett aufgenommen worden ist; sonst erneut schwaden und abfahren. Der Vorteil der Sanierung mit dem Striegel ist, dass die Maßnahme inklusive Nachsaat am selben Tag abgeschlossen werden kann. Es ist kein Einsatz von Pflanzenschutzmittel notwendig und trotzdem eine hohe Erfolgsquote möglich.

2 Selektiv mit Glyphosat: Bei der selektiven Pflanzenschutzmaßnahme mit 0,75 l/ha Glyphosat erfolgt die Behandlung der Fläche unmittelbar nach der Mahd. Nach dem deutlichen Absterben der Gemeinen Rispe empfiehlt es sich, sie zu entfernen (striegeln, schwaden, abfahren). Die Nachsaat erfolgt im Anschluss im Übersaatverfahren (Striegel) oder im Schlitzverfahren (z. B. Vredo). Nachteil ist das nicht überschaubare Zeitfenster von bis zu zehn Tagen. Vorteil ist der geringere Maschineneinsatz.

3 Die Totalsanierung der Fläche mit der höchst zulässigen Glyphosat-Aufwandmenge ist nur dann zu empfehlen, wenn der Grünland bestand einen sehr hohen Anteil (> 50 %) an Gemeiner Rispe bzw. zusätzlich eine Mischverunkrautung aufweist. Der Zeitpunkt ist orts- und standortabhängig. Eine solche Vorgehensweise kann im Spätherbst wie auch im zeitigen Frühjahr erfolgen. Der Vorteil einer Herbstmaßnahme ist, dass das Material bis zum Frühjahr sich soweit abgebaut hat, dass eine direkte Neuansaat (Striegelübersaat/Schlitzsaat) möglich sein kann. Allerdings kann es passieren, dass der Boden im Frühjahr lange nass ist und eine zeitige Bearbeitung nicht zulässt. Das Aufkommen unliebsamer Kräuter kann die Folge sein. Eine Frühjahrsbehandlung erfordert im Anschluss unter Umständen zwei Arbeitsgänge, da sehr viel abgestorbenes Material auf der Oberfläche liegt (flache Bodenbearbeitung mit Grubber, Kreiselegge-Drillkombination). Das Zeitfenster ist überschaubarer. In beiden Glyphosat varianten ist das Risiko, wetterbedingt nicht rechtzeitig nachsäen zu können, vorhanden.

4 Das Rotationsprinzip (Wechselfruchtwirtschaft) ist nur möglich, wenn die Fläche ackerfähig ist. Eine vorherige Absprache (Genehmigungsverfahren!) mit dem Landwirtschaftsamt ist unbedingt notwendig. Bei Beständen mit einem hohen Anteil an unliebsamen Gräsern und Kräutern und womöglich zusätzlich sehr starkem Mäusebefall ist diese Variante eine sehr effektive Methode, seine Schläge nach und nach zu sanieren.

5 Bei hofnahen Flächen ist das Prinzip der Kurzrasenweide bzw. Standweide eine sehr wirksame Strategie, seine Bestände, je nach Standort und Betriebsleiterziel, zu optimieren.


Totalsanierung: Der abgestorbene Bestand wurde mit einem Herzschargrubber eingearbeitet (linkes Bild, r.), die Neuansaat erfolgte mit einer Kreiselegge-Drillkombination (Ende März 2015), schon im Juni 2015 sah der Bestand aus wie im rechten Bild.

Die Arbeit danach  nicht vergessen
 
Standortbedingungen, Nutzungsintensität, Saatgutauswahl und die auf dem Betrieb zur Verfügung stehenden Nährstoffe müssen aufeinander abgestimmt sein. Erst dann führt eine Nachsaat/Neuansaat zu nachhaltigem Erfolg.

Bei der Nachsaat kann oftmals auf die betriebseigene Technik zurückgegriffen werden. Beim Einsatz der eigenen Drillkombination wird empfohlen, die Fläche doppelt über Kreuz nachzusäen. Dabei kann bei der ersten Überfahrt die Kreiselegge-/Grubber-Drillkombination am Boden laufen, bei der zweiten Überfahrt die Kreiselegge am Dreipunkt hochgenommen und nur das Drillgerät eingesetzt werden.

Die Saatgutauswahl ist ein entscheidendes Merkmal für den Erfolg einer Sanierung. Die Auswahl erfolgt nach der Nutzungsintensität und den örtlichen Gegebenheiten (Boden, Niederschlag, Temperatur). Im Dauergrünland setzen wir auf Nachhaltigkeit, daher sollte Qualitätssaatgut gewählt werden (wie das BQSM).

Die Düngung muss der Nutzung (manchmal auch die Nutzung den verfügbaren Düngernährstoffen) angepasst werden. Sowohl eine unter- wie überbilanzierte Düngung kann innerhalb kurzer Zeit zu einer negativen Bestandsveränderung führen. Zuletzt wird der Schröpfschnitt oder auch Pflegeschnitt, sobald der Bestand zu macht, durchgeführt, um den keimenden Nachzüglern ein Überleben zu ermöglichen.

Wenn alle Bedingungen passen, kann der Erfolg einer Sanierung sich bereits im ersten Jahr, meistens im Folgejahr, einstellen. Ein „Nachjustieren“ – letzte Lücken durch Übersaat schließen oder Nachbehandlung aufkommender unliebsamer Kräuter – ist normal, da wir den Boden für Lichtkeimer zum Teil weit geöffnet haben.

Wenn das Wetter nicht mitmacht und die Bedingungen ungünstig sind, sollte eine geplante Grünlandverbesserung verschoben werden, da der Erfolg sehr stark davon abhängt und die Maßnahme teuer ist. Bei den vielfältigen Möglichkeiten und Kombinationen eine Grünlandfläche standortgerecht positiv zu verändern, ist die Begleitung durch den zuständigen ER-Berater/-in dringend zu empfehlen. Eine pauschale Vorgehensweise ist nicht zielführend, da die örtlichen Gegebenheiten für eine erfolgreiche und vor allem nachhaltige Bestandsverbesserung berücksichtigt sein müssen.

Heri Bedenik
LKP Bayern, München